Multiple Sklerose: Akupunktur lindert Erschöpfung

Berlin – Rund 97 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose (MS) leiden unter chro­nischer Erschöpfung (Fatigue-Syndrom). Akupunktur, die zusätzlich zur Normalversorgung durchgeführt wird, lindert die Fatigue. Zu diesem Ergebnis kommt eine randomisierte nicht verblindete Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Exzellenzclusters Neurocure, die heute erstmals auf dem World Congress Integrative Medicine in Berlin vorgestellt wurde.

Zwei Forschergruppen der Charité haben mit Unterstützung von Wissenschaftlern aus Tianjin, China 83 MS-Patienten mit Fatigue in zwei Gruppen unterteilt und über zwölf Wochen behandelt. Zusätzlich zur herkömmlichen Behandlung erhielten 42 Betroffene 24 Akupunktursitzungen und 41 keine weitere Behandlung. Da es kaum Optionen gegen die Fatigue gibt, hatten die meisten Patienten der Kontrollgruppe keine fatiguespezifi­sche Behandlung erhalten. Nur wenige Patienten nahmen jedoch Medikamente wie Amantadin ein.

Zu Beginn der Behandlung lag der durchschnittliche Wert auf der Fatigue Severity Skala (FSS) bei 5,7 ± 0,8. Bei gesunden Probanden liegen die Werte hingegen niedriger, bei etwa 3,00 ± 1,08. Nach zwölf Wochen Akupunktur wurde ein FSS-Wert von 4,7 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 4,4 bis 5,1) gemessen, in der Kontrollgruppe mit der her­kömmlichen Behandlung lag der Wert bei 5,3 (5,0 bis 5,7; p = 0.009). Der Vorher-Nach­her-Vergleich könne in der Akupunkturgruppe auch als klinisch relevanter Unterschied von 0,9 FSS-Punkten interpretiert werden. Das teilte Claudia Witt, eine der beteiligten For­sche­rinnen, dem Deutschen Ärzteblatt mit.

In der Interventionsgruppe führten Ärzte eine semi-standardisierte Akupunktur (XNKQ-Akupunktur) aus China durch und verwendeten eine manuelle Stimulation der Nadeln. Dabei werde üblicherweise ein Behandlungskonzept angewendet, das unterschiedliche Konstellationen von Akupunkturpunkten beinhaltet, erklärt Witt. Die Kranken­kassen erstatten die Akupunktur bei MS-Patienten mit Fatigue jedoch noch nicht.

„Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung fremdeln noch mit der integrativen Medi­zin und unterstützen die Forschung in diesem Bereich bisher nur punktuell.“ Stefan Willich, Kongresspräsident, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité Berlin

Forschung zu integrativer Medizin nur punktuell finanziell unterstützt

„Die Krankenkassen sind prinzpiell offen für ausgewählte integrative Verfahren, die komplemetäre Methoden mit Schulmedizin kombinieren“, ergänzt Stefan Willich, einer der vier Kongresspräsidenten, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité. Die Akupunktur bei chronischen Schmerzen im Lendenbereich und bei Kniegelenksarthrose sind zwei evidenzbasierte Beispiele, bei denen die Krankenkassen nicht nur erstatten dürfen, sondern müssen, sagt Willich. „Hingegen fremdeln die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung noch mit der integrativen Medizin und unterstützen die Forschung in diesem Bereich bisher nur punktuell.“

Die USA unterstützten diese Forschung mit weit mehr öffentlichen Geldern, berich­tet Avis Haramati, Kongresspräsident vom Georgetown University Medical Center in Washington. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es hier eine festgelegte Förderung von mehreren 100 MIllionen Dollar pro Jahr. „In Deutschland geben wir nur einen Bruchteil von etwa fünf bis zehn Prozent für diesen Forschungsbereich aus“, schätzt Benno Brinkhaus, ebenfalls Kongresspräsident und Leiter der Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Standort Berlin-Mitte sowie dem Bereich Komplementärmedizin der Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin. © gie/aerzteblatt.de

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Akupunktur?nid=74493

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